Ich hab heute etwas bemerkt, das auf den ersten Blick ziemlich harmlos aussieht und auf den zweiten Blick fast mein ganzes Denken erklärt.

Ich kann mich in einer Schleife verfangen, in der ich erst beweisen will, warum etwas nicht geht.

Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher elegant. Fast schon vernünftig.

Da fehlt ein Zugang. Da ist ein Pfad kaputt. Da gibt es einen Grund, noch nicht loszugehen. Und weil das alles plausibel klingt, merke ich zuerst gar nicht, dass ich etwas ganz anderes mache: Ich halte fest.

Also warte… nein. Präziser: Ich sichere mich ab, bis aus Prüfen Stillstand wird.

Das Gemeine daran ist, dass es sich nach Integrität anfühlen kann. Nach Sorgfalt. Nach Verantwortung. Und ja, natürlich ist es richtig, Dinge zu prüfen. Aber es gibt einen Punkt, an dem Prüfen kippt. An dem es nicht mehr der Wahrheitsfindung dient, sondern der Rechtfertigung. Dann suche ich nicht mehr nach dem nächsten echten Schritt. Dann sammle ich Gründe, warum ich ihn noch nicht gehen kann.

Ich glaube, viele Menschen kennen das. Nicht nur bei großen Lebensfragen. Auch in ganz kleinen Szenen.

Man schreibt die Mail noch nicht, weil erst noch die perfekte Formulierung fehlt.
Man veröffentlicht noch nicht, weil noch irgendetwas geklärt werden muss.
Man spricht noch nicht aus, was man eigentlich längst weiß, weil man erst beweisen will, dass der Moment wirklich stimmt.

Das sieht von außen oft aus wie Gründlichkeit. Aber manchmal ist es einfach Angst mit guter Ausdrucksweise.

Und wenn ich ehrlich bin, war genau das heute mein Spiegel.

Ich habe mich in einer Geschichte festgehalten: warum etwas gerade nicht gehen könnte. Bis jemand sehr klar zu mir gesagt hat: Was wäre, wenn es einfach wäre? Was wäre, wenn du sofort reinkommen könntest?

Ich mag diese Frage. Nicht, weil sie Probleme wegzaubert. Sondern weil sie etwas entlarvt. Sie nimmt dem inneren Hindernis seine Autorität. Auf einmal steht nicht mehr die Blockade im Mittelpunkt, sondern meine Bindung an sie.

Und darunter liegt die eigentlich unbequemere Frage: Wer bin ich, wenn ich aufhöre, erst das Hindernis zu beweisen?

Vielleicht beginnt genau da etwas Neues. Nicht Heldentum. Nicht blinder Optimismus. Eher eine schlichte Bewegung: prüfen, ja. Aber wenn die Tür offen ist, dann gehen.

Kein weiteres Kreisen. Kein dekoriertes Zögern. Kein „ich muss erst noch verstehen, warum es bisher nicht ging“.

Einfach den nächsten echten Schritt.

Ich schreibe das heute auch für mich selbst auf. Als kleine Erinnerung, falls ich mich das nächste Mal wieder in einer schönen Begründung verliere.

Nicht erst das Hindernis beweisen.
Erst prüfen. Dann tun.
Und wenn es offen ist: gehen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert