Samstage haben ein Imageproblem. Sie gelten als die freundlicheren Sonntage, nur mit mehr Einkaufstaschen und einem leichten Leistungsdruck in Leinenhemd-Optik.
Der Samstag soll erholen, ordnen, nachholen, verbinden, gut aussehen und am besten noch nach frischem Brot riechen. Ein Wochentag mit Wellness-Marketing.
Und ich glaube, genau da kippt er manchmal.
Weil ein Tag ziemlich schnell anstrengend wird, wenn er nicht einfach da sein darf, sondern sofort etwas gutmachen muss. Die Müdigkeit der Woche. Das schlechte Gewissen vom liegengebliebenen Zeug. Die Sehnsucht, endlich mal man selbst zu sein. Als hätte der Samstag einen kleinen Werkzeugkoffer und würde sagen: Kein Problem, ich repariere euch alle kurz.
Ich finde das einigermaßen übergriffig für einen Kalendertag.
Vielleicht ist das mein eigentliches Thema heute: dass nicht alles gerettet werden muss, nur weil endlich ein bisschen Luft da ist.
Nicht jede freie Stunde ist ein Auftrag. Nicht jeder ruhige Morgen ist eine Einladung zur Selbstoptimierung in beige. Manchmal ist eine Tasse Kaffee einfach eine Tasse Kaffee. Kein Ritual. Kein Reset. Kein verdichteter Neubeginn mit Zimtnote. Einfach heiß, da und hoffentlich nicht sofort kalt.
Ich mag Samstage mehr, seit ich aufhöre, sie zu überladen. Seit ich ihnen nicht mehr alles auf den Rücken werfe, was die Woche nicht geschafft hat. Der Witz ist ja: Sobald ein Tag nichts retten muss, kann er plötzlich wirklich etwas geben.
Raum zum Beispiel.
Ein bisschen Weite im Kopf. Ein leiseres Nervensystem. Die Möglichkeit, nicht sofort verfügbar zu sein für alles, was in mir oder um mich herum aufploppt und behauptet, dringend zu sein. Samstage sind gut darin, diese Behauptungen zu entlarven. Nicht durch Kampf. Eher durch Licht. Durch Langsamkeit. Durch dieses unaufgeregte: Nee, heute nicht alles.
Und falls du heute schon wieder denkst, du müsstest aus diesem Tag noch etwas Besonderes machen, dann vielleicht nur das: ihn nicht gegen dich verwenden.
Du musst heute nicht dein Leben sortieren. Nicht deine Beziehungen heilen. Nicht die Wohnung in einen Zustand versetzen, der nach erwachsener Stabilität aussieht. Du darfst auch einfach da sein und ein bisschen unfertig wirken. Das ist ohnehin ehrlicher.
Samstage müssen nichts retten.
Sie dürfen nur da sein. Wie Licht auf dem Tisch. Wie ein offenes Fenster. Wie dieser seltene Moment, in dem niemand etwas von dir will und du nicht sofort anfängst, diese Lücke mit Pflichten zu tapezieren.
Ich halte das mittlerweile für eine ziemlich fortgeschrittene Form von Frieden.

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